Wie geht es Familien heute?

5 Jahre nach der Flut

Fünf Jahre ist es her, dass die Flut das Leben tausender Menschen verändert hat. Besonders traf es das Ahrtal. Wir ziehen Bilanz und schauen, was Kindern heute Mut macht.

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Stand
Ein bunter Stein, auf dem die Worte "Bad Neuenahr wird wieder bunt" stehen, wird hochgehalten
Herzenssache

Eine Nacht, die Leben veränderte

Es ist der 14. Juli 2021. Thommy Schott fährt mit seiner Frau und seinen Kindern von Dernau im Ahrtal nach Köln. Nur der 13-jährige Sohn bleibt zu Hause. Es regnet schon länger, dennoch liegt keine Vorahnung einer Katastrophe in der Luft. Urplötzlich schießen auf der A61 riesige Wassermengen von rechts kommend über alle Fahrspuren. Kurz darauf berichtet der 13-jährige Sohn am Telefon, dass Wasser unter der Tür in das Haus eindringt. Sein Vater rät ihm, sich zu den Nachbarn ins höher gelegene Geschoss zu flüchten. Dort überlebt er - ebenso wie der Rest der Familie, die jedoch ihr gesamtes Hab und Gut infolge der Flutkatastrophe verliert.

In einer einzigen Nacht haben wir alles verloren, aber unsere Leben behalten, während unsere Nachbarinnen im Erdgeschoss ertranken.

Thommy und Dinka Schott mit ihren drei Töchtern
Besonders für die drei jüngsten Kinder der Familie Schott ist das Ausmaß bis heute kaum greifbar. Für sie heißt es bis heute: „Das Wasser hat mir meine Puppe genommen." Thommy Schott

Wärme, Menschlichkeit und Solidarität

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hinterließ nicht nur bei Thommy Schott und seiner Familie tiefe Spuren. Für unzählige Menschen wurde diese Nacht zum Albtraum, den sie nie vergessen werden. Bestürzung breitete sich über ganz Deutschland aus - und schickte eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität hinterher.

Rund 4,3 Millionen Euro an Spenden sind allein im Rahmen der Fluthilfe von Herzenssache eingegangen. Damit konnten bis heute fast 90 Hilfsprojekte unterstützt werden, die vielen betroffenen Kindern und ihren Familien ein Stückchen Wärme und Hoffnung zurückbrachten. Unmittelbar nach der Katastrophe waren die Soforthilfen von Herzenssache und der AWO Rheinland eine wichtige Stütze: Sie ermöglichten es betroffenen Familien, sich schnell mit lebensnotwendigen Dingen wie Kleidung, Bettwäsche und Lebensmitteln auszustatten. Auch Thommy Schott und seine Familie wurden unterstützt. Die Hilfe, die sie erhielten, bewegt sie bis heute:

Dass sofort so viele Menschen in Deutschland halfen, war absolut beeindruckend und hätten wir eigentlich nicht für möglich gehalten. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken, auch im Namen unserer Kinder, die die Bedeutung noch nicht erfassen können.

AWO-Herzenssache-Familienfest für betroffene der Hochwasserkatastrophe
Familie Schott ist bis heute dankbar: Unmittelbar nach der Katastrophe unterstützte Herzenssache sie und viele andere Familien in der Not. Auch nachhaltig wurde vieles getan... Herzenssache Bild in Detailansicht öffnen
gestalteter Jugendraum in Bad Neuenahr mit dem Schriftzug SolidAHRität
In Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden alle Sporthallen und -plätze und Jugendtreffs durch das Hochwasser zerstört. Um den Jugendlichen wieder einen Ort zu geben, an dem sie ihre Freizeit verbringen können, richtete der Verein Fluthilfe-Ahr e.V. einen Jugend-Treffpunkt mithilfe von Herzenssache e.V. ein. Fluthilfe Ahr e.V. Bild in Detailansicht öffnen
Jugendliche gestalten den Jugendtreff mit - Bad Neuenahr
Das Besondere: Die Jugendlichen bestimmten selbst mit, wie ihr Jugend-Treff aussehen soll. Fluthilfe Ahr e.V. Bild in Detailansicht öffnen
Gruppe bei ICH-DU-WIR
Unter dem Motto "ICH-DU-WIR" hat der Verein Lernen Fördern Sinzig e.V. eine Projektwoche ins Leben gerufen. Hier haben die Kinder die Erfahrung gemacht, dass sie gemeinsam mehr erreichen können als allein. Lernen Fördern Sinzig e.V. Bild in Detailansicht öffnen
Kind gestaltet ein Klassenzimmer in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Neue Perspektiven gab es auch für die Kleinsten: Um die Erlebnisse der Fluchtnacht zu verarbeiten, wurden die Kinder kreativ, und gestalteten unter anderem ein zerstörtes Klassenzimmer neu. Mus-E e.V. Bild in Detailansicht öffnen
Jugendliche mit sandigen Flaschen - Clean Up-Event 3.7.22
Wichtig ist bis heute, Kinder und Jugendliche am Wiederaufbau zu beteiligen, um aus dem Gefühl der Ohnmacht zu kommen. Wie auch beim gemeinsamen Clean Up nach der Flut. Clean River Project / Stephan Horch Bild in Detailansicht öffnen
Kleingruppe mit gesammeltem Abfall aus der Ahr - Clean Up-Event 3.7.22
Mit dem Verein Clean River Project sammeln und recyceln die Kids den gefundenen Müll. Gleichzeitig lernen sie die Zusammenhänge von Klimaschutz und solchen Katastrophen kennen und bekommen viele Tipps zum achtsamen Umgang mit der Natur. Clean River Project / Stephan Horch Bild in Detailansicht öffnen

Von der Katastrophe zu neuem Lebensmut

Auch Jahre später sind die Nachwehen der Flutkatastrophe deutlich spürbar, besonders für Kinder und Jugendliche. Manche haben geliebte Menschen verloren, andere mussten in einer langen Zeit voller Unsicherheit aufwachsen. Aber die Kinder und Jugendlichen schauen nach vorne - nicht zuletzt aufgrund des Miteinanders und der Zuversicht, die sie auch dank der Hilfe von außen erleben:

Viele Kinder und Jugendliche im Ahrtal tragen die Folgen der Flut noch immer in sich. Gleichzeitig erleben wir aber eine Generation, die gelernt hat, mit Herausforderungen umzugehen. Sie wünschen sich vor allem Normalität, Verlässlichkeit und Menschen, die ihnen zuhören und an sie glauben. Genau solche Erfahrungen konnten wir in den vergangenen drei Jahren durch die Förderung von Herzenssache ermöglichen – in kreativen Angeboten, im Miteinander und in der individuellen Begleitung. Die größte Hoffnung liegt deshalb nicht allein im Wiederaufbau von Gebäuden, sondern in jungen Menschen, die wieder an ihre Zukunft glauben.

Stück für Stück und mit vereinten Kräften wird das Ahrtal wieder zu einem Ort, an dem Frohsinn und Optimismus zurückfinden. Besonders eindrücklich beweist das die Lebenshilfe in Sinzig. In der Flutnacht verlor die Einrichtung mehrere Bewohner*innen. Mittlerweile ist das Haus eine stationäre Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, die von Herzenssache bei der Neugestaltung unterstützt wird.

Die Herzenssache ermöglicht uns nicht nur die Schaffung eines inklusiven Sportangebotes. Vielmehr unterstützt Sie unser oberstes Projektziel, den Ort, der mit tragischen Erinnerungen aus der Flutnacht 2021 belegt ist, wieder mit positiven Erlebnissen und Eindrücken zu belegen.

Das war auch für den Herzenssache-Vorstand und Geschäftsführerin Stefanie Brich vor Ort spürbar:

Der Herzenssache-Vorstand
"Hinter jeder Unterstützung stehen sehr persönliche Geschichten, außerordentliches Engagement und oft auch eine große Portion Mut", so Herzenssache-Geschäftsführerin Stefanie Brich (2.v.l.) beim Besuch der Lebenshilfe in Sinzig. Carsten Costard

Danke fürs Herz zeigen!

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat die Menschen tief erschüttert, doch sie hat auch gezeigt, wie groß Solidarität und Menschlichkeit sein können. Jede kleine und große Spende, jede helfende Hand und jede Benefizaktion hat Familien im Flutgebiet Mut geschenkt.

Spendenübergabe von Schmied Jürgen Berens und Team an Herzenssache e.V.
Von allen Seiten kam Unterstützung für die Menschen im Ahrtal. Wie etwa von der Musikschmiede Berens, die Herzen zugunsten der Flutopfer anfertigte. Herzenssache

Dank eurer Unterstützung konnten Familien wie die von Thommy Schott einen Neuanfang wagen - und Kinder und Jugendliche wieder Hoffnung schöpfen.

Recycling Roadies Aktive Umweltbildung für Jugendliche im Flutgebiet

Im Juli 2021 zerstörte die Flut die Lebensräume vieler tausender Menschen, auch die von Kindern und Jugendlichen. Und genau diese packen jetzt an – für eine bessere Zukunft!